Der Chorraum der Kirche

Der Innenraum

Die ev. Kirche zu Seulberg ist eine Saalkirche mit Orgelempore. Der Saal ist 16 m breit, 20 m lang, 18 m hoch und hat 400 Sitzplätze.

Der Saal

In der Früh- und Hochgotik war die Gliederung der Innenwand eines der wichtigsten architektonischen Gestaltungsmerkmale. Ziel war es, die Wand im Gegensatz zur Romanik leicht, fast durchscheinend, aussehen zu lassen. Das erreichte man, indem man die Wand vertikal in drei (Arkaden, Triforien, Maßwerkfenster) und später 4 Etagen und horizontal in Joche (Raum zwischen 2 Pfeilern) aufteilte.

Die Seitenwände der Seulberger Kirche (Bild unten) sind in je 4 Lisenen (schmaler dunkler Mörtel- und Farbauftrag auf den Wänden zur Nachahmung von Säulen) gegliedert, die die Wände in je 5 Joche (Raum zwischen den Lisenen) aufteilen.

In jede Seitenwand sind 5 Fenster mit schönem Maßwerk und farbigem Glas integriert. Die Ostwand hat zwei, der Chor 5 Fenster.

Eine einfache Holzdecke kleidet das Satteldach der Kirche aus.

Im Chor und im Kirchenschiff ist der Boden mit Sandsteinplatten auf Raute belegt. Der Boden wurde 1966, zusammen mit der Warmluftheizung, eingebaut. Unter den Sitzbänken ist ein Holzboden verlegt, um Fußkälte zu vermeiden.  

Bilder im Kirchsaal gibt es nicht. Das ist für eine lutherische Kirchengemeinde nicht ungewöhnlich. Luther hat aber Bilder nie verboten. Er war der Meinung, dass man die „Nebendinge“ so lange an ihrem Ort belassen sollte, bis die Gemeindeglieder durch Unterweisung im rechten Glauben so gefestigt wären, dass sie diese nicht mehr benötigten. Die Seulberger Gemeinde ist also offensichtlich im Glauben sehr gefestigt

Der Chor  

Die Grundfläche des Chores ist ein regelmäßiges Achteck wovon 5 Seiten in die Chorkuppel münden und 3 zum Kirchenschiff hin offen sind. Man nennt das einen 5/8 Chorschluss. 

Die Wandflächen im Achteck sind durch Dienste voneinander getrennt. Diese Dienste sind halbkreisförmige schmale Säulchen, die vom Boden bis zu den Rippen des Kreuzgewölbes aufsteigen. Sie haben in der Seulberger Kirche keine stützende Funktion, sind nur Verzierung.  

In den Jahren 2001 bis 2005 wurde die Kirche innen und außen grundlegend renoviert. In dieser Zeit wurde im Kreuzgewölbe des Chores ein Sternenhimmel angelegt, weil man den ursprünglichen Zustand wieder herstellen wollte. Der Restaurator, Thorsten Moser, schrieb in seiner Rechnung: „…gemäß dem Befund der Erstausmahlung von 1864.“

Mit solchen Himmeln wurden schon Gebäudedecken im alten Griechenland ausgemalt, allerdings mit richtigen Sternbildern (Orion, Pegasus, etc.).  

Der Sternenhimmel in vielen Kirchen der Neugotik ist wahrscheinlich auf Friedrich Schinkel, den Baumeister Preußens, zurückzuführen. Er hat für eine Aufführung der Zauberflöte (Königin der Nacht) als Bühnenbild einen Himmel mit goldenen Sternen auf dunkelblauem Grund erstellt. Kurz darauf wurden in Kirchen die Chor- und teilweise auch Hallenkuppeln zwischen den Rippen der Kreuz- oder Netzgewölben vergleichbar ausgemalt.

Eine theologische Deutung des Sternenhimmels besagt, dass im Altarraum der Geist Gottes auf die Menschen wirkt. Da liegt die Idee nahe, das künstlerisch durch ein offenes Himmelszelt über dem Altar darzustellen.

 Die Fenster

Man muss den Planern und Baumeistern der Seulberger Kirche dankbar sein, dass sie nicht, wie damals auf dem Land oft praktiziert, schmucklose Fenster, sondern schöne Ornamente in schönem Maßwerk gebaut haben. Unter Maßwerk versteht man auf verschiedene Art konstruierte steinerne oder gusseiserne Ornamente zur Gliederung des oberen Fensterfeldes.

Die Seulberger Fenster bestehen aus einem spitzbögig gemauerten Rahmen. Die Fensterfläche besteht aus einem gusseisernen Maßwerk, aus Windeisen zur Aufnahme des Winddrucks und aus Bleiruten, die das Buntglas zusammenhalten.

Die Fenster im Chor zeigen 3-Pass Ornamente, die Fenster in den Seitenwänden des Kirchenschiffs zeigen 4-Pass Ornamente. Besonders schön sind die Fischblasen-Ornamente mit Blüten in den Ostwandfenstern.

In Folge von Kriegsschäden mussten 1964 – 69 die Fenster in den Seitenwänden und der Ostwand erneuert bzw. repariert werden. Die Fenster im Chor wurden 2003 restauriert, aber in ihrer ursprünglichen Form belassen

Die Kanzel

Der achteckige neugotische Kanzelkorb, verziert mit kleinen Säulen, Lisenen und einem Spitzbogenfries, steht auf einer achteckigen Holzsäule. Die gesamte Kanzel ist aus Eichenholz gearbeitet. Die Holzsäule wie auch das geschlossene Treppengeländer sind mit gleicher Verzierung versehen. Auch der schlichte, flache Schalldeckel wurde an der Unterseite mit einem Spitzbogenfries ausgeschmückt.

Die Sakristei ist aus Weichholz hergestellt und ebenso mit Spitzbogenfriesen verziert. Ursprünglich war sie von oben komplett abgedeckt. Die Abdeckung wurde jedoch zu Gunsten der Tageslichtbeleuchtung zu 1/3 entfernt. An der Ostseite der Sakristei befindet sich eine Halterung für Fahnen und ein Kreuz, das früher bei Beerdigungen von der Kirche zum Friedhof und zurück getragen wurde.

 Altar und Taufbecken

Als das Ende der Bauarbeiten absehbar war, bat der Seulberger Pfarrverwalter Gerlach den Landgrafen Ferdinand um eine Spende. „Unser Kirchenbau schreitet recht vorwärts und die Zeit kommt immer näher, wo an die Vergebung der inneren Einrichtungsarbeiten gedacht werden muß….. Unsere Hoffnung auf gnädigste Erfüllung unseres Wunsches gründet sich nicht allein auf höchstdero Landesväterliche Gesinnung im Allgemeinen, sondern auch auf das besondere Patronatsverhältnis, in welchem Eure Hochfürstliche Durchlaucht gerade zur Gemeinde Seulberg stehen.“ Der Landgraf kam der Bitte nach und stiftete einen Altar und einen Taufstein.

Der neugotische Altar aus schwarzem Marmor, trägt in der Mitte der profilierten Frontseite ein vergoldetes, gleichschenkliges Kleeblattkreuz. Der Altar steht auf einem einstufigen Sockel. Auf der Rückseite ist folgende Inschrift angebracht: „Gestiftet von dem souveränen Landgrafen Ferdinat zu Hessen im Jahre 1864“. Das Altarkreuz aus Eichenholz, auf massiver Konsole, stellt den gekreuzigten Christus dar. Das Kreuz hat eine Gesamthöhe von 118 cm.

Auf der Südseite im Chorraum steht das neugotische Taufbecken. Das kelchförmige Becken mit der reichen Profilierung ist aus Marmor gearbeitet und wird von einer Messinghaube abgedeckt.

Der Seulberger, Rolf Donnecker, hat für das Innere des Taufbeckens einen Einsatz aus Eichenholz mit eingelegten Segmenten aus Zinn „ Heiliger Geist“ und „Taufe im Jordan“ sowie eine Taufschale aus dem gleichen Material gefertigt.

Die Empore 

Die Empore der Kirche ruht auf sechs Säulen. Auf der Westwand liegt der Unterzug auf Sandsteinkonsolen auf, welche im Abstand von ca. 40 cm analog der Balkenlage, in die Wand eingelassen sind. Die Unterseite der Empore ist wie die Balkendecke im Kirchenschiff gearbeitet. Die sechs Säulen der Empore sind mit aufgemaltem Kern maseriert, die Ecken der Holzsäulen sind mit einem geschnitzten gedrehten Kordelmotiv verziert. Die Empore wird über eine Treppe aus Eichenholz erreicht.

Die Orgel   

Zur Orgel gibt es ein in der Kirche ausliegendes Heft. Darin ist erwähnt: „Am 12. 2. 1864 erhielt die lutherische Kirchengemeinde zu Seulberg von der Landgräflich Hessischen Landesregierung in Homburg nach langen Verhandlungen die Genehmigung, die es ihr erlaube, für die neue Kirche in Seulberg eine neue Orgel anfertigen lassen zu dürfen.“

Am 2. 6. 1865 konnten der Baumeister Holler und der Lehrer und Organist Schmidt bestätigen, „daß die Orgel in jeder Hinsicht sowohl des Baues wie des Tones vollkommen gut angefertigt ist.“

1917 wurden die großen Pfeifen für die Rüstung beschlagnahmt. 1941 bekam die Orgel ein elektrisches Gebläse. 1965 erfolgten Reinigungs- und Reparaturarbeiten, 1984 wurde die Orgel in ihren ursprünglichen Zustand versetzt.