Das Hauptportal der Kirche

Der Außenbau  

Die Lage

Die topografische Lage der Kirche ist nach Südwesten gerichtet. Das bedeutet, dass die Blickrichtung vom Hauptportal zum Chor in südwestliche Richtung verläuft.   

Üblicherweise ist der Chor einer Kirche nach Osten gerichtet. Die Seulberger Besonderheit erklärt sich aus der Lage des damals vorhandenen Grundstücks, das nicht erweitert werden konnte. Man hatte das vor, konnte es aber wegen fehlender Mittel nicht realisieren. Als Baumaterialien kamen zur Nutzung: Backsteine der Fabrik Kaspar Rill in Seulberg, beiger und roter Sandstein für den Sockel, roter Mainsandstein für die Fialen, die Fenster und die Portale.  

 Die Außenwände

Die Langseiten wie auch der Chor sind horizontal mit Kaffgesimsen (horizontales Band unterhalb der Fenster zur Ableitung von Wasser) und vertikal mit abgetreppten Strebepfeilern (nehmen den nach außen wirkenden Druck der hohen Mauern auf) gegliedert. Die Wände sind mit spitzbogigen Maßwerkfenstern durchsetzt. Über ihnen verläuft ein Spitzbogenfries (aus Ornamenten gestalteter Streifen zur Abgrenzung oder Teilung von Flächen).  

 Die Portale 

Die Kirche hat zwei Portale: Ein Hauptportal im Osten und ein früher so genanntes Priesterportal im Westen.  

Das Hauptportal wird von der Straße “Alt Seulberg“ aus über eine große Sandsteintreppe erreicht. Es ist eine aus rotem Sandstein sich nach innen verjüngende schöne Steinmetzarbeit, die oben in einem Maßwerkfenster endet. Das Maßwerk zeigt oben einen Vierpass (vier Dreiviertelkreise in einem Kreis) und darunter zwei Nonnenköpfe (Kopf auf Schulter). Ein kleines Portal an der Westseite diente früher als Eingang für den Pfarrer und ist heute Notausgang.  

Der Turm 

Der Turm ist 50 m hoch. Er steht an der Ostseite der Kirche. Der Turm ist mehrstufig gegliedert (Bild nächste Seite). Auf dem Boden steht ein von Strebepfeilern gestütztes quadratisches Sockelsegment, das bis über das Kirchdach hinausragt. Die Strebepfeiler schließen mit schönen schlanken Fialen (Bild rechts) ab.   

Auf der Höhe der Fialen ist ein zweibahniges Spitzbogenfenster eingesetzt, das das gleiche Maßwerk hat, wie das darunter liegende Portal. Am oberen Ende des Turmschaftes sind Uhren eingebaut. Zwischen dem quadratischen Sockel und dem Oktogonalturm (achteckiger Turm) verläuft ein Spitzbogenfries. Auf den Ecken des Frieses stehen weitere Fialen. 

Der Oktogonalturm ist durch einen Fries zweigeteilt. Im unteren Teil sind Oculi (Augen) mit Fischblasenmotiv eingebaut. Der obere Teil hat 8 schlanke fensterähnliche Schallöffnungen. Über den Schallöffnungen bilden Wimperge (giebelartige Bekrönung) den Übergang zur Pyramide. Die mit Schiefer gedeckte Pyramide schließt mit einem Kreuz, einer Kugel und einem Wetterhahn (altchristliches Sinnbild der Wachsamkeit) ab. 

Die Glocken   

Während der Bauzeit der Kirche wurden zwei Glocken angeschafft. Die kleine Glocke von 1695 aus der alten Kapelle wurde auch in der neuen Kirche genutzt. Im ersten Weltkrieg mussten die 1864 angeschafften Glocken abgegeben werden, 1922 wurden sie durch neue ersetzt. Im zweiten Weltkrieg wurden wieder 2 Glocken beschlagnahmt und 1951 ersetzt.