Seitenwand mit Strebepfeilern und Maßwerkfenstern

Vorbildkirchen

„Am 15. August 1861 hatten der Kirchenvorstand und der Gemeindevorstand in gemeinsamer Beratung den völligen Neubau einer Kirche beschlossen. Man hatte sich mehrere Kirchen angesehen, so die im gotischen Stil erbaute Kirche zu Sponheim, diejenige zu Limbach im Oberamt Meisenheim und die Johanniskirche zu Bingen. Die letztere hatte am meisten Anklang gefunden sowohl in seiner äußeren als auch in seiner inneren Einrichtung, nach welcher der Baumeister Holler von Homburg dann auch in seinem Kostenanschlag die Summe von 43000 Gulden aufwies und seine Baupläne anfertigte.“

Die Johanneskirche in Bingen

Die Kirche (siehe Bildergalerie) wurde von 1858 bis 1860 gebaut. Der Binger Kreisbaumeister Köhler konzipierte eine rechteckige Grundfläche mit dreiseitig geschlossenem Chor. Der Turm ist gegenüber dem Chor über dem Eingangsportal errichtet.

Der Kirchenraum wurde als Saalbau mit gerader und geschlossener Decke angelegt. Damit griff Köhler die Grundsätze des Darmstädter Oberbaudirektor Georg Moller auf, der für die Kirchenbauten der damaligen Zeit Richtlinien entworfen hatte, um einen gewissen kirchenbaulichen Wildwuchs zu beenden.

Für die Außenmauern wurde bloßer Haustein verwandt, um eine mittelalterliche Romantik nachzuempfinden.

Die evangelische Kirche in Sponheim

Im 19. Jahrhundert einigten sich die Sponheimer Christen beider Konfessionen, eine zweite Kirche im Ort zu erbauen, da zur damaligen Zeit eine gemeinsame Nutzung der alten Klosterkirche üblich war. Diese Kirche sollte der ev. Gemeinde gehören. Sie wurde im Jahre 1856 im neugotischen Baustil fertig gestellt (siehe Bildergalerie).

Wie in der Zeit des Kirchenbaus üblich, wurden viele Stilelemente der Gotik einbezogen. Hier wären zu nennen: Der Grundriss des Kirchengebäudes, die Fenster mit ihren Spitzbögen, der Altar, das Spitzdach, die Deckenkonstruktion, die Ausführung der Bänke, sämtliche Steinmetzarbeiten mit Ornamenten, Türmchen usw. Das schöne Schnitzwerk an der Kanzel verdient eine besondere Erwähnung.

Im Chorraum befinden sich fünf Fenster mit einer Fülle von eindrucksvollen Bildmotiven. Sie wurden im Jahre 1963 eingebaut und von dem Mainzer Künstler Gustel Stein geschaffen. An der Vorderwand sind durch Wandgemälde die Evangelisten, zusammen mit deren Symbolfigur und einer Umschrift zum jeweiligen Generalthema ikonenhaft dargestellt.

Die Orgel wurde um die Zeit des Kirchenbaus von dem Orgelbauer Schlaadt mit 13 Registern erbaut. Eine Restaurierung wurde durch die Fa. Oberlinger 1979 durchgeführt.

Im Turm hängen drei Glocken. Eine kleine Bronzeglocke mit 76 cm Durchmesser stammt aus dem Jahr der Fertigstellung der Kirche 1856. Die beiden größeren Glocken aus Stahlguss wurden nach dem Zweiten Weltkrieg neu angeschafft. Die größte hat einen Durchmesser von 110 cm.